Der Grüne Kakadu

Der 1. Bezirk ist weit weg von meiner Wohnung, und ich bin faul bis an die Grenze zur Leichenstarre. Daher war ich in den vergangenen Jahren nicht allzu oft da. Das hat sich nun geändert, denn der „Grüne Kakadu“ ist ein Lokal, von dem ich mir erhoffe, dass es sich in der Tradition alter Künstlerbars etabliert. Künstler dürfen in ihren Stammlokalen bekanntlich alles, ich darf hier also auch gottlose Reden schwingen, Mitgäste belästigen und anschreiben lassen. Genau wie in Arthur Schnitzlers „Grünem Kakadu“, der Spelunke eines ehemaligen Theaterdirektors, in der die meisten Stammgäste arbeitslose Schauspieler sind, die voreinander hartgesottene Ganoven spielen. So ähnlich geht es im neuen Grünen Kakadu auch bereits zu. Wenn mich die Barchefs auch noch mit dem Auto abholen und später wieder nach Hause bringen würden, wäre mein Glück perfekt.
(Thomas Glavinic)